Charfia, eine Fischfangtechnik wird zum immateriellen Kulturerbe

Veröffentlicht am : 09-02-2021

Die findige Fischfangtechnik der Kerkennah-Inseln, die Charfia, wurde kürzlich zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO erklärt.

Um die Inseln von Kerkennah ist das Wasser so seicht, dass die Gezeiten - die im Mittelmeer üblicherweise kaum wahrzunehmen sind - täglich große Sandflächen freilegen. Bei jeder Ebbe ziehen die Strömungen die Fische ins Meer hinaus.
Dies brachte die Inselbewohner auf eine geniale Idee: sie betreiben stationären Fischfang, die Charfia.
Auf diesem Archipel des Südens, das man als Meeresoase bezeichnen könnte, gibt es Tausende Palmen. Palmblätter werden deshalb auch als Baumaterial für die Charfia verwendet.
Die Charfia besteht aus Reihen von unüberwindbaren, aus Palmblättern gefertigten Barrieren, die direkt am Meeresgrund befestigt werden.
Sie sind so ausgerichtet, dass die Strömung und die Barrieren die Fische zu den Fangkörben und ihren trichterförmigen Öffnungen treiben. Die Fische schwimmen hinein und bleiben dort gefangen.
Nun muss der Fischer die mit Fischen gefüllten Fangkörbe nur noch einsammeln.
Diese Fangtechnik wird von der FAO als „ausgeklügeltes System des landwirtschaftlichen Kulturerbes bezeichnet“ Im Dezember 2020 wurde die Charfia nun auch von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt.


Tatsächlich ist diese Fangtechnik auf den Kerkennah-Inseln eine echte Institution.
Die Fischfanggebiete werden vom Vater auf den Sohn weiter vererbt und die gesamte Familie beteiligt sich am Bau der Charfia und am Fischfang.
Der Bau und die Erhaltung einer Charfia wird traditionell von Gebeten und Ritualen begleitet, an denen sich die gesamte Dorfgemeinschaft beteiligt. Es heißt, dass die meisten Einwohner des Archipels bereits in jungen Jahren diese Fangmethode erlernen.
Ungefähr einhundert Kilometer südlich von Kerkennah, auf der Insel Djerba, wird die Charfia ebenfalls verwendet. Beim Anflug auf Djerba sieht man diese Konstruktionen, die unmittelbar vor dem Strand ein eigenartiges Zickzack-Muster bilden.


Eine Charfia auf Djerba


Eine Charfia auf Kerkennah: Barrieren und Fangkörbe



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